Zum Auftakt der Serie geht es am Samstag nach Unterfranken – mit dem klaren Anspruch, sich eine komfortable Ausgangslage für das Rückspiel in Leverkusen-Lützenkirchen zu erarbeiten.
Die Bilanz der WINGS spricht für sich: 23 Siege aus 24 Spielen, eine Siegquote von 95,8 Prozent und eine Korbdifferenz von +598. Gekrönt wurde die Hauptrunde mit dem überzeugenden 82:71-Heimsieg im Spitzenspiel gegen die BG74 Veilchen Ladies Göttingen, der den ersten Tabellenplatz endgültig besiegelte.
Doch die QOOL Sharks Würzburg sollte niemand unterschätzen: Mit Platz 4 in der Südgruppe, einer Bilanz von 15-7 und einer aktuellen Siegesserie von zwei Spielen (zuletzt 78:63 gegen die Eisvögel USC Freiburg II) gehen die Gastgeberinnen mit Rückenwind in die eigene Halle. Heimspielvorteil, eine eingespielte Rotation und ein junges, hungriges Team – die Reise nach Würzburg ist für die WINGS alles andere als ein Selbstläufer.
Die QOOL Sharks setzen auf eine ausgewogene Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und bemerkenswert viel Jugend. #4 Kathleen Annunziata (28, PG, CAN) ist mit 13,8 Punkten und 5,8 Assists pro Spiel die offensive Lebensversicherung und Spielmacherin in einer Person. #2 Johanna Michel (14,7 PPG bei 63,4 % aus dem Feld bei Zweiern) und #13 Paula Wenemoser (13,7 PPG, 6,8 RPG) bilden das zweite Standbein. Auch #12 Elina Timoschenko und #8 Marja Wahl liefern konstant zweistellig.
Das wohl spannendste Gesicht im Würzburger Aufgebot trägt die Nummer 14: Mia Wiegand, erst 17 Jahre alt, 1,81 Meter groß, Point Guard – und in der deutschen Basketball-Szene längst als eines der größten Talente im Mädchenbasketball gesetzt. Trotz ihres jungen Alters steht sie in 20 von 22 Spielen in der Starting Five, spielt knapp 29 Minuten pro Partie und kommt im Schnitt auf 14,7 Punkte, 5,8 Rebounds und 1,9 Assists – Zahlen, die auf diesem Niveau in ihrer Altersklasse Seltenheitswert haben. Wiegand kann als Eins zwischen Aufbau und Scoring wechseln und ist aus dem Würzburger System nicht mehr wegzudenken.
Dass die WINGS Leverkusen die Hauptrunde Nord derart dominiert haben, liegt maßgeblich an einem Faktor, den Head Coach Patrick Reusch systematisch kultiviert hat: Ausgeglichenheit. Kein einziger Kopf-an-Kopf-Scorer, der alles allein stemmen muss, sondern ein Kollektiv, in dem die Minuten und die Verantwortung sauber verteilt sind.
Sechs Spielerinnen haben in dieser Saison mehr als 400 Spielminuten auf dem Parkett gestanden, sieben Spielerinnen scoren im Schnitt zweistellig oder liegen knapp darunter – eine beeindruckende Balance.
Dass diese Breite in den Playoffs zum Trumpf wird, dürfte sich spätestens dann zeigen, wenn das Tempo anzieht und das Foulmanagement wichtiger wird. Wer tief aus der Bank nachlegen kann, hat in einer Serie einen strukturellen Vorteil – und genau da liegt die vielleicht größte Stärke der WINGS.
Für Coach Reusch und sein Team geht es am Samstag nicht darum, die Serie bereits zu entscheiden – aber darum, den Grundstein zu legen. Ein Sieg in Würzburg oder auch eine knappe Niederlage mit überschaubarer Differenz wäre das perfekte Sprungbrett für das Rückspiel vor eigenem Publikum.
Die Vorzeichen sind gut: ein Team in Topform, eine über zehn Spiele andauernde Siegesserie im Rücken und ein Kader, dessen Tiefe zum entscheidenden Faktor werden kann. Die WINGS wissen, dass in Würzburg mit Mia Wiegand und dem erfahrenen Backcourt um Annunziata und Michel ein ernstzunehmender Gegner wartet – aber sie wissen auch, was sie selbst können.